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Wie schon bei andere Leuten zu lesen war, ist der Supermarkt der Treffpunkt, um Leuten zu begegnen, die mensch sonst aus gutem Grunde meidet. Bei mir war’s eben die Glatze eine Kasse weiter, die aber auch jedes Klischee mitgenommen hat: an der Jackenschulter ein Schland-Aufnäher (natürlich in Fraktur!), auf dem Rücken eine zweistellige einschlägige Zahl im Eichenkranz, auf der Kapuze des Sweatshirts etwas von unbuntem Stolz sowie Tätowierungen an Kopf und Nacken, die näher anzuschauen ich mir erspart habe, da ich bereits kauen musste. Allerdings erschien es mir unmöglich, so viel zu essen, wie ich hätte kotzen wollen, also habe ich mich grausend abgewandt…
Und mir überlegt, dass ich froh sein kann, eine helle Hautfarbe zu haben. Komischerweise stellte sich aber keine Freude ein, sondern folgende Überlegung: Hätte ich anderenfalls eine Anmache kassiert oder gar welche aufs Fressbrett? Der Typ war nicht alleine da, er hätte also Publikum gehabt, vor dem sich Aufspielerei möglicherweise lohnt. Hätte mir jemand dort geholfen oder hätten sie weggeguckt?
Ich habe mich sau-unwohl gefühlt mit diesem Menschen in zwei Metern Entfernung, der seinen Hass derartig vor sich her trug und dabei so selbstgefällig dreinschaute. Gleichzeitig das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts des Offensichtlichen: Ja, es gibt solche Leute, es gibt sie hier und sie verschanzen sich nicht die ganze Zeit in ihrer Wohnung, wie wir das bei der letzten Demo erleben durften, sondern haben ein (vermutlich, woher soll ich das genauer wissen?) normales Alltagsleben. Und ich schätze, der Mensch reffelt sich nicht umsonst so auf, wenn er den Bau verlässt, sondern markiert auf diese Weise sozusagen sein Revier – allerdings hebt er dazu weniger das Bein, sondern wenn überhaupt eher andere Extremitäten.
Mein kleiner Zivilcourage-Kern hätte am liebsten irgendwas getan, um ihm deutlich zu machen, dass nicht alle um ihn herum tolerieren, wofür er steht, aber die Angst riet dringendst davon ab. Ist das nun feige oder vernünftig?
Mir ist aufgegangen, dass die Kassierer_innen hier häufiger Rechte als Kunden haben müssen, aber sie müssen logischerweise jeden gleich behandeln, solange er nicht gegen die Hausordnung verstößt. Würde ich sicher auch, zähneknirschend. Also kann so eine_r unbehelligt und stolz hier herumlaufen und ideologische Luftverschmutzung betreiben. Und der Rest, den das vielleicht stört, guckt zu, lässt sich den Tag verderben und schreibt einen Blog-Artikel drüber. Das wird sicher ganz viele Rechte zum Umdenken bringen… [Wer jetzt meint, zum Umdenken müsse mensch erst einmal denken können, der/dem gebe ich prinzipiell Recht, möchte jedoch darauf hinweisen, dass Unterschätzung den Rechten durchaus zuarbeiten kann. Das war zuletzt an der jahrelangen Nicht-Aufdeckung der Terrorzelle aus Zwickau zu sehen.]
Lustigerweise bin ich auf dem Heimweg beim Sinnieren über eine Lösung für mein Dilemma sozusagen über selbige gestolpert (in meinem Fall war sie allerdings weiß):
Tja, vor 35 Jahren wäre es so einfach gewesen… *seufz*

Ja, die sind schon übel. Aber noch sehr viel schlimmer sind doch die Linksextremisten! Das sind die, die mit abstrusen Forderungen wie “wer 40 Stunden arbeitet sollte davon leben können” oder “für Banken sollten auch Gesetze gelten” den marktkonformen Rechtsstaat aushölen und uns alle ins Verderben stürzen wollen!
Und das schlimme bei diesen Bestien ist: die erkennt man nicht so gut wie die Glatzen. Stell dir vor, vermutlich hat die arme Kassiererin so einem schon mal ein Pfund Butter verkauft und hat nicht einmal geahnt, in welcher Gefahr sie schwebte.
Du meine Güte! DER Sarkasmus war jetzt so offensichtlich, dass ich Deinen Kommentar glatt zwei Mal lesen musste, um ihn diesen auch als solchen zu enttarnen. (Ich glaub’, ich werd langsam alt.)
Aber ich dachte, um die Linksextremisten kümmert sich der Verfassungschutz? Ja ist denn auf gar nix mehr Verlass?!
(Gefahr durch Butter? Werden daraus jetzt auch schon Bomben gebastelt?)
Der Verfassungsschutz ist doch bereits mit der Personalunterstützung für die NPD recht ausgelastet, und man findet heutzutage nur so schwer gutes Personal – Fachkräftemangel, weißt du? Alleine schon von den bekennenden Antidemokraten (nennen sich heutzutage “die Linken” oder so) können sie nur noch ein Drittel effektiv überwachen – von der Dunkelziffer ganz zu schweigen.
Ob Butter für den Bombenbau geeignet sind, ist derzeit noch nicht vollständig untersucht. Bis das geklärt ist, schlage ich eine Butterdatenbank vor, in der sämtliche Butterkäufer und deren Verkehrsdaten lückenlos aufgezeichnet werden, um den Ernstfall nachträglich verhindern zu können.
Ja, super Idee! Du könntest doch pro-aktiv eine entsprechende App basteln, über die der intelligente Kühlschrank (sollte zur Ankurbelung des Absatzes gesetzlich verordnet werden) das direkt an die Datenbank meldet. Und Margarine und Leberwurst nicht vergessen, Letztere war mir immer schon suspekt…
Ich finde es gut, wenn man die erkennt. Da weiß man, mit wem man es zu tun hat. Viel schlimmer sind nämlich die Unerkannten. Beim letzten Versuch, die Rechten am Marsch durch Leipzig zu hindern, hatte ich schon arge Probleme, die von den Linken zu unterscheiden. Weil, die laufen nämlich auch nicht mehr alle brav in Marschformation, sondern splittern durch die Stadt. Genau wie die Linken, die die Rechten am Marschieren hindern wollen. Da ist es extrem schwer, die Guten von den Bösen zu unterscheiden. Ehrlich!
Aber mal im Ernst. Ich kann Deine Gefühle gut nachvollziehen. Ich würde auch das große Kotzen kriegen.
Da hast Du nicht ganz unrecht…
Dein Beispiel kommt mir aus eigener Anschauung bekannt vor – aber anders herum: zu der o. g. Demo bin ich “zu spät” gekommen, also erst dazugestoßen, nachdem sie sich schon in Bewegung gesetzt hatte. Nach den unverständlichen Sprechchören hätten’s auch Rechte sein können, der schwarze Block am Kopf war komplett vermummt & nicht wirklich Vertrauen erweckend. Für unbedarfte Beobachter am Rand dürfte kein Unterschied erkennbar gewesen sein! (Die Musik, die gespielt wurde, war übrigens auch nicht besser.)
Naja, ich bin trotzdem dabeigeblieben und sie haben sich ja auch alle zusammengerissen – alles andere hätte auch der falschen Seite zugespielt!
Was nun wieder den “Schwarzen Block” betrifft, vor dem bin ich allerdings selbst mal als Veranstalter geflüchtet. Nach der guten alten Taktik, auf allen möglichen Ausweichrouten Verantsaltungen anzumelden, so dass der Nasenzug, wenn er blockiert wird, nicht umgeleitet werden kann, “veranstalteten” wir also zwei Querstraßen neben der “Marschroute”. Natürlich waren wir und die zwei älteren Polizisten allein da. War ja allen klar, warum wir dort stehen und das wir eignetlich nicht mit Publikum rechnen. Die Bösen saßen auf ihrer Route fest und, ja ich weiß auch nicht, plötzlich sah ich am Straßenende eine schwarze wobende, sich schnell auf uns zu bewegende Masse. Zuerst flohen die Bullen… Wir drei “Veranstalter” drückten eine Haustür ein, retteten die Musikanlage ins Treppenhaus, gewährten noch ein paar Passanten Unterschlupf und warteten, bis alles wieder ruhig war. Ich bin mir sicher, ein Hinweis, dass wir doch die Guten seien, hätte uns nicht vor der zerstörerischen Kraft der scharzen Flut retten können…